Fachbeiträge

Fachbeitrag aus "Die Rassetaube" Ausgabe 2/2009


Starwitzer Flügelsteller Kröpfer

Vergangenheit und Zukunft eines Kulturerbes aus Oberschlesien


Herkunft und Entstehung
Die Starwitzer Flügelsteller Kröpfer sind eine alte Zuchtrichtung der Schlesischen Kropftaubenrassen.
Unstrittig ist die Heimat der Starwitzer in Oberschlesien begründet.
Der Vorsitzende des Oberschlesischen Klubs für Farben- und Rassetaubenzüchter, Herrmann aus Beuthen OS schrieb in der Geflügelbörse, Leipzig, Nr. 29 vom 09.04.1935, einen von Leidenschaft und Emotionen geprägten, unschätzbar wertvollen Beitrag über Starwitzer (siehe unsere Internetseite).
Der Sonderverein
Bis 1957 waren die Starwitzerzüchter dem SV Schlesische Kröpfer angeschlossen. 1957 wurde in Groß Bieberau ein eigener Sonderverein gegründet, so feierten wir 2007 das 50. Jubiläum. Interessanterweise gab es mit Josef Lichtblau, Elbingerode/Harz einen Verbindungs- und Zuchtobmann für die Besatzungszone. In der DDR wurde 1963 in Arnstadt die SZG gegründet.
1992 schlossen sich SV und SZG zusammen. Der SV präsentiert sich unter www.starwitzer.eu im Internet, es lohnt sich hereinzuschauen.


Starwitzer Junge in Blumen

Starwitzer Junge in Blumen

Die Flugleistungen
Ein Zitat von Herrmann aus der Geflügelbörse von 1935:
"Dem Flug des Starwitzers kann in der gesamten Taubenwelt nichts gleiches entgegengesetzt werden. Auf Ausstellungen kann dieses sonderliche Vermögen allerdings nicht kontrolliert werden. Nichtsdestoweniger aber gehört zu einem echten Starwitzer auf jeden Fall die möglichst vollkommene Darbietung seines Flugsports. Ein richtiggehender Starwitzer steigt kräftig mit den Flügeln klatzschend zu beachtlicher Höhe hinauf, stellt dann die Flügel senkrecht zusammen und fällt daraufhin in einem kühnen Schwunge tief hernieder. Er "zieht" wie man hier sagt, und je tiefer dies geschieht, desto höher schlägt das Herz des Kenners. Diese Flugkunst ist im Heimatlande bei der Bewertung mit an erster Stelle ausschlaggebend. Der außergewöhnliche und einzigartige Flugstiel unseres Starwitzers muß ihm erhalten bleiben. Er ist darin absolut konkurrenzlos. Selbst die besten Flugleistungen eines Steigers, der ähnliches produziert, sind doch nur Stümperei und erreichen kaum die mäßigen Leistungen eines wenig begabten Starwitzers."
Ehrlich betrachtet ist durch die heutigen Haltungsbedingungen nicht mehr viel davon übrig geblieben. Unsere Starwitzer sind in der Figur modernisiert und im Wesen auf den Ausstellungskäfig getüchtet. Wir müssen uns mit Temperament, lebhaften Wesen, klatschen und gelegentlichen Flügelstellen auf den Anflugbrettern begnügen. Im Freiflug kann man nur noch ansatzweise erahnen zu welchen Flugleistungen unsere Starwitzer fähig waren.
Die Zucht der Starwitzer
Mit 32 Farbenschlägen bieten die Starwitzer eine Herausforderung für jeden Geschmack des Züchterischen Wirkens. Zu allen Zeiten wurden verschiedene Farbenschläge miteinander verpaart, früher standen die Flugleistungen im Vordergrund. Wer einwandfrei gezeichnete Schimmel erzielen will, muss passende Farbenschläge untereinander verpaaren.
Zusammen passen z.B. Blauhämmerte, Blaue, Blauschimmel, Blaufahlgehämmerte, Blaufahle, Blaufahlschimmel oder Rotfahlgehämmerte, Rotfahle, Rotfahlschimmel, Gelbfahlgehämmerte, Gelbfahle, Gelbfahlschimmel. Bei den Einfarbigen, Weißschwingigen und Geelsterten können die Farbenschläge untereinander verpaart werden, auch die Zeichnungsvarianten können in Ausnahmefällen, untereinander vermischt, zum Erfolg führen.
Wer die Vererbungslehre erproben will findet bei der Zucht unseres Starwitzers alles, was Überraschung, Rätsel, Enttäuschung, Erfolg und Freude bereiten kann. Die reine Zucht der Farbenschläge hat oft nicht zum gewünschten Erfolg geführt.
Zuchtfreudigkeit und Vitalität der Starwitzer stehen in den Visionen des Sondervereins ganz oben. Eine hohe Reproduktionsrate ermöglicht die ausreichende Selektion unter den Jungtieren. Die Zucht mit Ammentauben ist nicht erforderlich und daher abzulehnen. Unsere Starwitzer müssen Ihre Jungen selbst aufziehen, Gesundheit vorausgesetzt.


Starwitzer

Die wichtigsten Rassemerkmale
Die Figur mit Stand, Haltung und Blaswerk und die Rundhaube bilden die wichtigsten Rassemerkmale. Der Starwitzer hat eine kräftige Figur und ein lebhaftes Wesen. Wenn Halslänge und lange Vorderpartie vorhanden sind, sollte etwas Hinterlänge toleriert werden. Der Stand soll frei aber nicht zu hoch sein, so dass der Schwanz nicht den Boden berührt. Eine aufrechte Haltung mit leicht geschwungener Rückenlinie ist wichtig. Das Blaswerk soll nicht übertrieben groß, straff und oben am weitesten ausgedehnt sein (Birnenform). Der Schnabel muß mittig aufliegen. Die federreiche Rundhaube soll im Sitz den Scheitel überragen und wird seitlich durch Federwirbel, auch Rosetten genannt, abgeschlossen.
Der Europastandard
Der Europastandard wurde in der Fachpresse veröffentlicht und ist in der kommenden Schausaison rechtesverbindlich. Was hat sich im wesentlichen verändert?
Die substanzvolle Stirn wurde aufgenommen und bildet die Basis für die federreiche Rundhaube (nicht mehr Muschelhaube).
Dunkelhornfarbige bis hellhornfarbige Schnabelfarbe sind je nach Gefiederfarbe zulässig.
Getiegerte in Schwarz, Blau, Rot und Gelb wurden aufgenommen.
Farbenschlagbezeichnungen wurden neu definiert, so Blaufahle mit dunklen Binden, Rotfahlschimmel und Gelbfahlschimmel.
Bei den Rotfahlschimmeln und Gelbfahlschimmeln gelten farbige Schwanzspiegel nicht als Fehler.
Die Weißschwingigen haben 4 bis 9 Weiße Handschwingen wobei der maximale Unterschied zwei betragen darf.


Starwitzer

Der Zuchtstand
Oftmals liegen die Geschicke einzelner Farbenschläge in den Händen von nur wenigen Züchtern. Die zahlreichen Farbenschläge erfordern eine Bewertung nach dem Zuchtstand und verlangen das gewisse Fingerspitzengefühl. Den höchsten Zuchtstand verkörpern die Blauen mit schwarzen Binden und die Blauschimmel, auch nach der Verbreitung.
Es folgen die Gehämmerten, Schimmel, Fahlen, Einfarbigen und Weißschwingigen. Aus dieser Gruppe verkörpern die Blaugehämmerten, Blaufahlschimmel, Weißen und Schwarzen mit weißen Schwingen den höchsten Zuchtstand. Absolut förderungswürdig sind Geelsterte und Getiegerte.
Die Verbreitung der Starwitzer
Herrmann schreibt abschließend:
"Wenn ich den Züchtern draußen im Reich ein Stückchen lebendes uraltes, deutsches Erbgut aus dem Südosten unseres Vaterlandes näher gebracht habe, so tat ich das in der Hoffnung, dass in der großen Welt unser schöner, unvergleichlicher, lieber Starwitzer seinen gebührenden Platz erhält. Glück auf!"
Dieser Wunsch hat sich erfüllt. Herrmann konnte zwar den schrecklichen zweiten Weltkrieg, welcher Flucht und Vertreibung mit sich brachte, nicht voraussehen. Mit seinen schlesischen Landsleuten haben sich jedoch die Starwitzer über das Nachkriegsdeutschland verbreitet. Heute gibt es SV-Mitglieder und Züchterkontakte über viele Ländergrenzen dieser Welt.
Ein Blick ins Internet belegt dies. Erfreulicherweise interessieren sich viele junge Leute für unsere Starwitzer, das läst für die Zukunft hoffen.


Starwitzer

Matthias Beutel
Zwebendorf
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